Durchblick im Klimadschungel: Nestlé unterstützt überraschend Klima-Label

Bei der Diskussion um Klimaschutz spielten Lebensmittel bisher kaum eine Rolle. Dabei ist ihr Einfluss auf das Klima nicht von der Hand zu weisen: Etwa ein Fünftel der Klimabelastung eines Bürgers in Deutschland wird durch Lebensmittel verursacht.

Zusätzlich zum Zucker- und Fettgehalt soll deshalb – jedenfalls nach der Forderung von 57.000 Verbrauchern in einer Petition durch das schwedische Lebensmittelunternehmen Oatly (das ausschließlich vegane Lebensmittelprodukte ohne Sojaeiweiss vertreibt) – auch der CO2-Fußabdruck auf den Verpackungen im Supermarkt stehen.

Nach einer Umfrage im Auftrag von Oatly fühlen sich nur neun Prozent aller Deutschen gut über die Klimafolgen von Lebensmitteln informiert, ganze 85 Prozent würden gerne mehr darüber erfahren.

So hat zwar bestimmt auch schon jeder Mal von den hohen Treibhausgasemissionen bei Fleisch gehört, allerdings ist vielen immer noch nicht bewusst, dass Käse ähnlich schlecht abschneidet. Auch einer Packung Butter sieht man auf den ersten Blick nicht ihren sehr schlechten ökologischen Fußabdruck an.

Selbst das Unternehmen Nestlé befürwortet nun überraschenderweise den Vorstoß zur Einführung einer CO2-Kennzeichnung auf Lebensmittel-Verpackungen.

„Für viele Produkte kennen wir den CO2-Fußabdruck und könnten ihn heute schon auf die Packung drucken“, sagte Anke Stübing, Leiterin Nachhaltigkeit bei Nestlé Deutschland, der „Welt am Sonntag“. Der Nahrungsmittelmulti wolle zudem die ersten „klimaneutralen Produkte“ auf den Markt bringen und entsprechend kennzeichnen.

Mit speziellen Klimalabeln auf ihren Produkten versuchen bereits verschiedene Unternehmen in der Lebensmittelbranche ihr Bemühen in Sachen Klimaschutz sichtbar zu machen. Gleichzeitig soll Verbrauchern dadurch natürlich auch ein weiteres Verkaufsargument geliefert werden. Doch die Labels sind bisher leider durch fehlende Kriterien meist noch unzureichend und wenig aussagekräftig. Denn das Problem ist, dass Begriffe wie „klimafreundlich“ oder „CO2-neutral“ nicht geschützt sind. Damit gibt es auch keine einheitliche Grundlage, was diese Begriffe eigentlich bedeuten und welche Anforderungen gelten.

Durch die erfolgreiche Petition wird sich nun glücklicherweise der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags mit dem Thema Klimalabel beschäftigen. Denn an erster Stelle ist nun der Gesetzgeber in der Pflicht: Ein staatliches Klima-Label könnte zu mehr Transparenz verhelfen und ein sogenanntes „Greenwashing“ durch große Unternehmen verhindern. Es muss durch eine Kontrollinstanz sichergestellt werden, dass die Labels nicht als reines Marketinginstrument missbraucht werden sondern dass die Unternehmen die mit dem Label beworbenen Eigenschaften auch einhalten. So könnte eine gezielte und verständliche Kennzeichnung Deutschen beim Lebensmitteleinkauf helfen, die Klimawirkung von Lebensmitteln realistisch einzuschätzen – sogar bei einem Einkauf von Nestlé-Produkten.

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Bild von Kevin Phillips auf Pixabay

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